| Südpolen im Januar 2007 |
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| Written by Paul Uhl | |||||||||||
| Samstag, 03 März 2007 | |||||||||||
Südpolen, 1/07Als ein entsprechendes Angebot von trendtours bei uns einging, sagten wir uns: Warum nicht mal eine Busreise nach Polen und „Wellness“ im Winter? Es sollte in den Ort Bad Ustron gehen, in den Schlesischen Beskiden, den nördlichen Vorbergen der Karpaten. Auf der Karte schaute ich nach und fand das Städtchen südlich von Kattowitz und westlich von Krakau. Im Internet präsentierte sich die Gegend als waldreich und „mittelgebirgig“ und pyramidenförmige, moderne Hotels prägten sie. Wellness? Das alleine erschien uns sicher etwas langweilig, wenn auch das Angebot - beginnend mit einer „ärztlichen Untersuchung“ (eine oberflächliche Konsultation) und 10 kostenfreien Anwendungen nicht allzu reichhaltig erschien. Aber wir konnten ja weitere Anwendungen kaufen und sicher gab es auch Gelegenheit, ein wenig herum zu kommen… Krakau z.B. interessierte uns schon! Wenige Tage zuvor bekamen wir den „Voucher“ zugesandt und die Mitteilung, dass der Bus am 25.Januar schon um 23.45 in Passau abfuhr. Gut - mit einer Reise durch die Nacht kann man den Tag gewinnen! Reisebericht:Der Bus am Exerzierplatz in Passau entpuppte sich als Kleinbus und er fuhr mit uns zunächst nach Landshut, wo zwei weitere Fahrgäste einstiegen. Dann stießen wir eine Stunde später in Regensburg auf den „großen Bus“, der aus München kam, uns vier noch aufnahm und damit proppenvoll war. Es war ein polnischer Bus mit etwas weniger Luxus als es derzeit Standard ist: Ganz schön zugig und mit Scheiben, die nicht mehr alle so recht durchsichtig waren. Aber es war ja eine Nachtfahrt, also egal. Zwei polnische Fahrer und eine polnische Reiseleiterin waren an Bord. Die beiden Fahrer waren erfahrene Männer, die Reiseleiterin eine junge Frau, deren erste Reise es war. Sie beschränkte sich bei Durchsagen auf das Allernotwendigste wie „15 Minuten Pause!“ Auf meine Frage, wann wir ankommen würden, sagte sie: „Wir werden sehen!“ Es schneite stark und ich bemerkte, dass wir die A 93 Richtung Hof nahmen. Im Radio hatte ich gehört, dass diese Strecke teilweise gesperrt sei, weil LKW´s im Schnee hängen geblieben oder von der Fahrbahn gerutscht waren… Also mitten hinein ins Schneechaos! Und da war er auch schon, der Stau! Nach 30 Minuten aber ging es im Schritttempo weiter und wir kamen in stockfinsterer Nacht durch die völlig überlastete Umleitung bei Zwickau. Die Sache kostete uns etwa 2 ½ Stunden mehr an Fahrzeit. Zudem war die von den Polen gewählte Strecke um fast 280 km länger, als wenn sie durch Tschechien gefahren wären. Aber diese Strecke habe starke Steigungen und führe durchs Gebirge, was man wegen des Schnees nicht habe riskieren wollen… Nach 18 ½ Stunden erreichte unser Bus dann Bad Ustron an der jungen Weichsel und wir bekamen Zimmer zugewiesen und Abendessen. Das Hotel hieß „Tulipan“ (Tulpe), es war eines der Pyramidenhotels und hatte zwei Sterne. Gerlinde und ich hatten schon damit gerechnet, dass bei einem so günstigen Reisepreis nicht der große Luxus zu erwarten war und kleinere Mängel hingenommen werden mussten… Es schneite stark und ich bemerkte, dass wir die A 93 Richtung Hof nahmen. Im Radio hatte ich gehört, dass diese Strecke teilweise gesperrt sei, weil LKW´s im Schnee hängen geblie-ben oder von der Fahrbahn gerutscht waren… Also mitten hinein ins Schneechaos! Und da war er auch schon, der Stau! Nach 30 Minuten aber ging es im Schritttempo weiter und wir kamen in stockfinsterer Nacht durch die völlig überlastete Umleitung bei Zwickau. Die Sache kostete uns etwa 2 ½ Stunden mehr an Fahrzeit. Zudem war die von den Polen gewählte Strecke um fast 280 km länger, als wenn sie durch Tschechien gefahren wären. Aber diese Strecke habe starke Steigungen und führe durchs Gebirge, was man wegen des Schnees nicht habe riskieren wollen… Nach 18 ½ Stunden erreichte unser Bus dann Bad Ustron an der jungen Weichsel und wir bekamen Zimmer zugewiesen und Abendessen. Das Hotel hieß „Tulipan“ (Tulpe), es war eines der Pyramidenhotels und hatte zwei Sterne. Gerlinde und ich hatten schon damit gerechnet, dass bei einem so günstigen Reisepreis nicht der große Luxus zu erwarten war und kleinere Mängel hingenommen werden mussten…
Dazu zählte, dass morgens vor dem Frühstück kein warmes Wasser zur Verfügung stand, weil die Kapazität nicht reichte, so viele Gäste (110 Leute) gleichzeitig zu versorgen. Auch die Fenster waren sehr alt und verzogen, schlossen schlecht und zwei der Fensterhebel blieben Gerlinde beim Öffnen in der Hand…
Dennoch: draußen war tiefer Winter mit 30 cm Schnee und es schien ein Wintermärchen zu werden. Die ersten Tage gingen vorüber mit Anwendungen und Pausen dazwischen, die wir zum Lesen und Ruhen nutzen, ich natürlich auch zum Verseschmieden… Leider war die im Prospekt beschriebene Sauna nicht in Betrieb (nur auf Bestellung) und den Fitnessraum fanden wir voll gestellt mit Möbeln. Reste von Sozialismus waren zu spüren… An beiden Samstagen war - zu unserer leidvollen Überraschung – in der Disco im Tiefgeschoss je eine Mordsfete mit lauter Musik aus 10.000 Watt Verstärkern, welche die ganze Nacht bis früh um halb Sechs die Grundfesten des Hotels erzittern ließen. Schlafen konnte da nur, wer Ohropax dabei und gute Nerven hatte. Gerlinde und ich nutzten fast jede Gelegenheit, durch die verschneite Landschaft zu wandern, das Städtchen zu erkunden und Besorgungen (Apotheke, Souvenirs und kaufen und Obst – das gab es im Hotel überhaupt nicht -) zu machen. Gerlinde kaufte sich sogar Winterstiefel und eine Handtasche, alles ist recht billig hier zu haben, allerdings nicht die neueste Mode… Zwischendurch nahmen wir an einem Busausflug nach Krakau teil. Die Stadt liegt auch an der Weichsel (Wisla) und ist über 1000 Jahre alt. Sie wird auch als „das Herz von Polen“ oder auch das „Florenz des Nordens“ bezeichnet… Leider war es sehr windig und manchmal schneite es stark. So war die Stadtführung mit der einheimischen Führerin durch das Judenviertel (Kazimierski), das Stadtschloss (Wawel) und die Altstadt bis zur Marienkirche recht ungemütlich.
Das ehem. Judenviertel ist völlig heruntergekommen, einige Synagogen sind noch in Benut-zung. In der Altstadt sind herrliche Fassaden aus der Renaissance und gotische Portale zu sehen, barocke Kirchtürme und romanische Mauerreste. Wir merkten deutlich, dass Krakau einmal die Hauptstadt war! - Gute Fotos? - Die konnte ich bei diesem Wetter vergessen! Aber in der Marirenkirche konnte ich tolle Bilder knipsen. „Digital“ ist hier ja unschlagbar! ![]() der weltberühmte , von Veit Stoß geschnitzte Altar: 11 x 13 m Mittags hatten wir Essen in einem urigen Wildwestlokal, dessen Bedienungen äußerst knapp bekleidet herumliefen. - Die Polenmädchen sind rassig und selbstbewusst! Ein kleines Bier kostet übrigens fast überall 4 Zloty oder 1 Euro. Um 15 Uhr 50 war Treffen am Hauptportal von St. Marien und der Bus brachte uns wieder nach Ustron. Eigentlich müsste man sich für Krakau vier Tage Zeit nehmen und gutes Wet-ter vorbestellen. Heute hatte es Frau Holle zwar mit den Wintersportlern - nicht aber mit uns - gut gemeint! Weitere Ausflüge ergänzten das Pauschalprogramm. So sahen wir in Seibusch (Zywiec) die Brauerei Zywiec (sehr sehenswert!). Jeder der Besucher bekam ein Bierglas geschenkt und wir durften das Bier probieren. Die Führung dort ist natürlich lehrreich, aber auch lustig, weil man u.a. durch nachgebaute, alte Bierpinten mit Kegelbahn geführt wird und zum Schluss sogar durch ein Spiegel-Labyrinth finden muss… ![]() sehr romantisch durch den Winterwald… An einem Abend waren wir in diesen Bergen in Jistepa Kitna auf einer (zu Touristenzwecken erbauten) Hütte, wo es einen sog. Goralenabend (Folklore) mit lustigen Spielen gab. Die Goralen sind die Ureinwohner, die Bergbewohner…
Es regnete dann zwei Tage lang und im Tal gab es keinen Schnee mehr, die Pyramidenhotels regten aus den Grün heraus:
Bei einem anderen Ausflug konnten wir bei Tarnow ein Brotmuseum besichtigen. Jeder Be-sucher durfte ein Stück Teig ausrollen (vorher war natürlich Händewaschen angesagt!) und einen kleinen Zopf formen, der dann ausgebacken wurde.
Der Inhaber hatte außerdem 10.000 Raritäten und Kuriositäten gesammelt, von der alten Klistiervorrichtung über Küchengeräte bis zum Edisonschen Musikapparat, die er stolz vor-führte. Er hatte auch ein altes Klassenzimmer eingerichtet, wo er zum Spaß Unterricht an-deutete, die Fingernägel kontrollierte und sogar „Tatzen“ erteilte… Hier fand sich sogar ein Klassenfoto, wo unser Papst, der ehem. Schüler Ratzinger, in der Schulbank sitzt. Zum Schluss spendierte man uns noch Kaffee und Kuchen und den selbst gebastelten Zopf be-kamen wir frisch gebacken – noch heiß – dazu. In der Nähe gibt es auch ein Silberbergwerk, in dem früher Blei und Silber abgebaut wurde. Wir fuhren mit Helmen bewaffnet in einer Rumpelkiste den Schacht hinunter, durchstreiften Strecken und Abbaustellen, sahen die leeren Flöze und passierten sogar im Boot einen be-wässerten Tunnel. Einer unserer Kameraden hatte Schwierigkeiten mit den Bronchien und ihm tat eine kurze Strecke mit sehr niedriger Höhe (nur stark gebückt zu passieren) gar nicht gut…
Das Bergwerk hat auch ein Außenmuseum mit Arbeitsmaschinen, Lokomotiven und alten technischen Anlagen. Leider war dazu die Zeit zu kurz, weil wir eine weite Strecke zur Heimfahrt hatten. Zur Heimreise hatten wir einen modernen Bus, eine äußerst attraktive Reiseleiterin und wir nahmen diesmal die kürzere Strecke über Prag, so dass die Heimreise nur 12 Stun-den dauerte. Polen ist noch Entwicklungsland – das sollte der Reisende von vorne herein berücksichtigen und es hat noch einen weiten Weg nach Europa. Deutsch oder Englisch kann kaum jemand, außer in Hotels, Infopunkten und Geldwechselstellen. |
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