| Verona |
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| Written by Paul Uhl | |
| Montag, 13 August 2007 | |
Verona im Juli 07Freunde, Verwandte und Bekannte erzählten von diesem Erlebnis: Eine Oper in der Arena von Verona, das sei toll! Die meisten aber hatten dabei nur eine Übernachtung und das sei Stress gewesen... Als uns ein Angebot von „trendtours" ins Haus flatterte, das neben dem Opernerlebnis vier Übernachtungen und Gelegenheit zu Ausflügen an den Gardasee und in die Dolomiten anpries, fuhren wir mit! Und es war sehr günstig! Natürlich sind solche Billigangebote darauf ausgelegt, dass die meisten Teilnehmer die angebotenen und nicht ganz so günstigen, zusätzlichen Ausflüge mitmachen. Dazu findet bei „trendtours" immer eine entsprechende Begrüßungsveranstaltung mit Gratisgetränk statt, bei der einige der Teilnehmer sich wohl etwas überrumpelt fühlen, weil die Entscheidung innerhalb kurzer Zeit erfolgen muss... Dennoch: Man kann mit „trendtours" schon interessant reisen! Gewisse Abstriche muss man bei der Betreuung machen, da der Reiseleiter oft erst am Zielort zusteigt und auch nicht immer mit im Hotel wohnt. Da kann die Organisation schon mal unbefriedigend sein... Da sich erst vor Ort entscheidet, an welchem Tag die Oper besucht wird, bleibt auch unklar, welches Stück man sehen wird. Bei Schlechtwetter muss natürlich verschoben werden. Eine solche Reise ist daher besonders für Opernneulinge interessant. Wer z.B. „Nabbuco" schon viermal gesehen hat, könnte enttäuscht sein, dass er diese Oper nun nochmals vorgesetzt bekommt. Dennoch: Eine Aufführung auf der Freilichtbühne in einem Freilichttheater ist ganz etwas anderes als in einem geschlossenen Theaterbau... Und die Arena von Verona ist eine unglaublich starke Kulisse! Ich will jedoch der Reihe nach berichten: Morgens um Sieben steigen wir in Passau in den Bus der österreichischen Firma Burgstaller ein. Der Bus holt noch einen Mitreisenden in Straubing ab, in Landshut steigen zwei Leute zu, in Freising noch weitere acht. Die restlichen Mitreisenden kommen in München-Fröttmaning dazu, dann ist der Bus - bis auf zwei Plätze - voll besetzt. Die Fahrt zieht sich hin und ich gehe nach vorne zum Fahrer und frage, ob ich ein paar Witze und einige meiner lustigen Gedichte vortragen darf. Ich bekomme Applaus! Gut, dass ich ein paar meiner Gedichtbändchen dabei habe: Sie werden mir prompt abgekauft! Der Fahrer bringt uns mit einigen Pinkel- und Imbisspausen über die Inntalautobahn über den Brennerpass nach Südtirol. In einem Dorf bei St. Michael findet die Info- Veranstaltung mit Begrüßungsgetränk statt. Der Agent ist geschickt und schafft es, dass fast alle Mitreisenden zwei Zusatz-Ausflüge buchen. Dann bringt uns der Bus - noch immer ohne Reisebetreuung - in ein Bergdorf unter den Gipfeln der Ost-Brenta: Cavedago. Andere Busse im Auftrag von „trendtours" stoßen dazu, auf der engen Ortsstraße staut sich alles, wir werden auf mehrere Hotels verteilt. Die Hotels sind sauber, die Zimmer sogar mit Bidet, auf dem Dorfplatz findet heute ein Fest statt. Vor dem Abendessen trinken Gerlinde und ich dort ein Glas Wein, andere Reiseteilnehmer stoßen dazu. Bekanntschaften werden geschlossen... Ein Spaziergang durch das Dorf hilft nach dem prima Essen, es zu verdauen... Es ist Hochsommer, die Temperaturen schwanken zwischen 34 und 39 Grad, hier oben (das Dorf liegt 864 m hoch) ist es bei 22 Grad erträglicher und der leichte Bergwind erfrischt. Ich finde einen Umgebungsplan und kann Gerlinde ein paar der umliegenden Gipfel erklären: Da schaut die Cima Groste herunter, auch die Cima Falkner ist zu sehen, wo wir den Klettersteig benutzten, sogar die wuchtige Cima Brenta grüßt herunter.
Erinnerungen werden wach... Auf der anderen Seite zieht die bewaldete Paganella hinauf, ein beliebtes Schigebiet. Im Dorf gibt es eine interessante Brücke: Drei Bögen übereinander, die älteste Brücke führte über den niedrigsten Bogen, eine spätere über den mittleren und die neue nun über den oberen Bogen, ohne dass die Straße jetzt abwärts und drüben wieder aufwärts führen muss. Im Ortswappen sind diese drei Brückenbögen zu sehen. Ein Kriegerdenkmal aus Bronze, eine Burgruine etwas unterhalb von Cavedago...
In der Nacht wachen wir zweimal auf - wegen Hundegebell - und morgens knallt irgendwo eine Türe, sonst ist alles paletti. Nach dem Frühstück holt uns der Bus zur Dolomitenfahrt ab. Es geht an Burgruinen und wuchtigen Steilfelsen vorbei, hinunter nach Mezzocorona, dessen Ortsdurchfahrt an chronischer Verstopfung leidet. Der Stau kostet uns 45 Minuten kostbarer Urlauberzeit. Sie bauen aber schon an einem Tunnel zur Ortsumgehung. Hier steigt endlich unser Reiseleiter - er heißt Frank - ein, erzählt etwas zur Gegend und zum weiteren Programm... An der Autobahnausfahrt Bozen Nord biegt der Bus ab, hinauf nach Kastelruth. Hier waren Gerlinde und ich vor Jahren schon, wir hatten auch den Schlern bestiegen! Der Ort ist hübsch und das Panorama der umliegenden Berge beeindruckt immer wieder. Die Kirche hat einen vom Hauptschiff 20 m abgesetzten Turm, was in Südtirol eigentlich unüblich ist.
Die Teilnehmer der Fahrt zerstreuen sich im Ort, Gerlinde und ich bummeln nach einem Blick in die Kirche durch die Straßen und Gassen, ich knipse mindestens 60 Bilder, Motive gibt es ja genug. Nach einer Einkehr zu Kaffe und Kuchen müssen wir zurück zum Bus, man fährt uns hinauf nach St. Ulrich. Auch diesen Ort kennen wir schon, es hat sich aber vieles verändert: Bunter, lauter, breiter... Natürlich fahren wir mit der Seilbahn hinauf zur Seiser Alm, wo wir in einem Gasthaus den guten Südtiroler Speck genießen und Weißbier aus Bayern... Ein kleiner Spaziergang eröffnet uns die herrliche Bergwelt: Der Langkofel (der Reiseleiter sagt immer „Langkofler") und der „Plattkofler" beherrschen die Szenerie, wir finden Alpenrosen und die seltene Arnika, ich knipse auch viele Schmetterlinge und blühende Gräser...
Viel zu schnell ist die uns gewährte Zeit um, wir müssen hinunter, der Bus bringt uns wieder zurück ins Eisack- und Etschtal und bei Eppan biegt er in die Weinstraße ein, fährt das Tal entlang bis zum Kalterer See. Dort finden wir auch Neues: Am See ist eine große, moderne Badeanstalt entstanden, die hygienischen Verhältnisse früher waren aber auch unzumutbar.
Einige Mitreisende baden, Gerlinde und ich setzen uns mit den Eheleuten Bauer zusammen, genießen den Schatten (heute wieder 36 Grad!), die kühlen Getränke und die herrliche Landschaft. Zurück durch den Stau in Mezzocorona, der Reiseleiter verabschiedet sich wieder. Wir fahren hinauf in unser kühles Bergdorf, Duschen, Essen, Abendspaziergang. Auch heute ist am Festplatz Musik, eine britische Jungendkapelle spielt aus ihrem Repertoire. Am nächsten Tag ist der zweite, nicht im Pauschalpreis enthaltene Ausflug an den Gardasee. Ein paar Reisende nehmen an diesem kostenpflichtigen Ausflug nicht teil. Da wir aber im Anschluss daran vom See weg gleich nach Verona weiter reisen, muss der Busfahrer nachmittags nochmals hinauf ins Hotel - jeweils hin und zurück 2 Stunden - um diese zu holen. Er ist nicht gerade begeistert, weil es ja nur zwei sind... Unsere Fahrt zum Gardasee dauert lange: Den Berg hinunter, durch den Stau, auf die Autobahn nach Süden, endlich dann der See. Er liegt nur 65 m über dem Meer, ist 346 m tief, 52 km lang und im Süden 17 km breit. Wir machen eine Schifffahrt von Nord nach Süd. Das Schiff kreuzt immer vom Westufer zum Ostufer, fährt alle wichtigen Orte an. Die Hitze ist schlimm, nur gut, dass auf dem See ein flotter Wind weht. Aber auf der Luv-Seite des Schiffes ist es zugig, auf der Leeseite zu heiß. Endlich finden Gerlinde und ich ein schattiges, zugfreies Plätzchen am Heck. Die Berge im Norden des Sees ragen steil empor, im Süden werden sie flacher. Die Orte kommen wie an einer Perlenkette, einer schöner als der andere. Wegen des günstigen Windes kreuzen viele Surfer und Segelboote. Besonders gefällt mir der Blick auf das Kastell im Städtchen Malcesine, das wir übermorgen noch besuchen werden. Auch an Bord finde ich nette Fotomotive: Die rot lackierten Zehennägel einer Mitreisenden, die ihre Füße an der Reling hoch lagert, vorbeiziehende Schiffe und Boote, nautisches Gerät, Wimpel und die erstaunlich hohe Heckwelle der Schiffschrauben...
Eine Insel mit Bunkerresten taucht auf, hier war einmal ein militärisches Munitionslager. Es ist explodiert, nur langsam beginnt man, die Insel zu entmunitionieren und Blindgänger zu beseitigen - sagt der Reiseleiter. Weiter unten am Westufer steht auf der Insel Garda bei San Felice ein herrliches Schlösschen, die Villa Borghese. Dann landen wir in Sirmione, der Stadt ganz im Süden auf einer Halbinsel im Gardasee. Blickfang ist die imposante Burg, herrlich sind die Gässchen und kleinen Bars, die Läden und Cafès. Der Reiseleiter empfiehlt zum Mittagessen ein Lokal, das gut und preiswert kocht. Es ist sehr heiß und keiner hat nach dem Essen noch Lust auf große Anstrengungen. Gerlinde und ich bummeln mit den Bauers durch die malerischen Gässchen, stoßen auf ein Elektrozüglein, mit dem wir für 1 € zur Nordspitze der Halbinsel fahren. Hier sind aber - außer Badenden - nur noch die archäologischen Grabungen zu sehen. Bei dieser Hitze? Nein danke!
An der südlichen Endstation des Zügleins finden wir den Thermalbereich des Ortes. Im Verwaltungsgebäude ist es kühl, das genießen wir ein Weilchen, ehe wir uns wieder in den Glutofen hinaus wagen. Ich beschränke meine Aktivitäten auf weiteres Knipsen und bald treffen wir uns alle am Bus zur Weiterfahrt nach Verona. Ich frage mich, wie heiß es wohl in der Arena sein wird... Es ist Nachmittag und Fahrer und Reiseleiter erwischen die falsche Einfahrt nach Verona hinein, wo man nicht rechts abbiegen darf. Also wieder hinaus, zur Autobahn zurück, andere Ausfahrt, und dann sind wir so spät dran, dass die im Prospekt versprochene Stadtführung durch Verona ausfallen muss. Der Reiseleiter tröstet uns damit, dass er eh nicht berechtigt sei, solche Stadtführungen durchzuführen, und dass er, falls er dabei erwischt würde, eine hohe Strafe zu zahlen habe... An der Stadtmauer (sie ist ungeheuer hoch und imposant) findet der Fahrer einen der letzten Parkplätze für seinen Bus, wir marschieren in der Hitze 800 m zur Arena. Frank besorgt die Karten und geht mit ein paar Interessenten noch zum Balkon von Romeo und Julia. Leider ist da Baustelle und der Balkon eingerüstet... Auf dem riesigen Platz vor der Arena ist ein Park mit Bäumen. Ein schöner Brunnen und das Reiterstandbild von Victor Emanuelle II. reizen mich, ein paar Bilder zu schießen. Dann betreten Gerlinde und ich nach einem Rundgang die Arena. Wir haben verbilligte Karten für Senioren über 65 und das Kontrollpersonal glaubt Gerlinde nicht, dass sie dazu gehört. Sie muss ihren Ausweis vorzeigen... Gibt es ein netteres Kompliment?
Das Bauwerk ist das drittgrößte Amphitheater der Welt und oval, die Stufen sind wohl aus Marmor. Es gibt 22 Stufenreihen. Sie sind 40 cm hoch und 70 cm tief. Es gab einen Außenring um das Theater, der bei einem Erdbeben einstürzte, nur ein kleiner Teil ist davon noch übrig, der die Arena mit imposanten Bögen überragt. Würden alle Plätze genutzt, so hätten 22.000 Leute Platz. Wegen der Anordnung der Bühne sind aber nur 13.000 Plätze ausgewiesen.
Es ist heiß drinnen und die Steine haben ca. 40 Grad... Ächz! Die mitgebrachten Sitzpolster (man kann auch welche mieten) lassen die Hitze bald durch. Wir haben eine Rucksackbrotzeit dabei, was aber nicht nötig wäre: Dutzende herumgehender Serviceleute verkaufen Sandwiches, Schokolade, und Getränke. Wir haben eine Stunde Zeit, uns anhand des erworbenen Programms auf die Aufführung vorzubereiten: Sie geben AIDA! Ehe es beginnt, verlasse ich meinen Platz noch schnell, um zur Toilette zu gehen. Als ich wieder komme, hat sich eine Frau auf meinen Platz gesetzt. Auf Gerlindes Protest hin rückt die Reihe etwas zusammen, es wird eng! Die Frau erzählt, sie sei auch mit „trendtours" unterwegs und ihr Bus habe heute die vierte Panne gehabt. Schon auf der Reise nach Italien seien drei Pannen aufgetreten. Heute hoffte sie, könnte es wohl die letzte gewesen sein, deshalb kamen sie und 45 andere Touristen so spät und sie habe sich nicht anders helfen können, als sich irgendwo dazwischen zu drängen. Ich verstehe sie gut und brumme nicht mehr... Aida ist ja ein langes Drama und während der Aufführung müssen Sanitäter viele Zuschauer verarzten. Auch Schauspieler, Sänger und Statisten fallen in der Hitze um: Sie haben ja dicke Kostüme und Mäntel an!
Ich stelle meine Kamera auf 400 ASA ein und kann so ein paar recht gute Bilder von Szenen auf der Bühne und von der gesamten Anlage schießen. Die Vorstellung beginnt um 21.15 und ist gegen 01.00 Uhr erst beendet. Bis wir zurück in Cavedago im Hotel sind, wird es fast vier Uhr früh! So beginnen wir unausgeschlafen den nächsten Tag: 9.00 Uhr Frühstück, 11 Uhr Abfahrt zum letzten Ausflug an den Gardasee. Wir sehen zuerst Malcesine. Es ist wieder furchtbar heiß und die meisten flüchten gleich in ein kühles Cafè... Aber wer etwas sehen will, muss wohl herumlaufen. Zwei Stunden verbringen wir so und dann treffen wir uns am Bus wieder, der (natürlich) in der Sonne stand und knallheiß aufgeheizt ist. Nächster Ort ist Garda. Hier bummeln wir die Seepromenade entlang, suchen unter den Sonnenschirmen von Straßencafès Schutz und schlürfen Eisbecher. Gerlinde und ich streifen mit den Bauers durch möglichst enge, schattige Gässchen, ehe wir zurück fahren in die Kühle unseres Bergdorfes. Eine üble Überraschung wartet auf uns: Das Hotel hat nicht für uns zum Abendessen angerichtet! Wir sind auch nicht dazu angemeldet... Was ist los? Das Management von „trendtours" hatte uns als „abwesend auf einem Italienischen Abend" gemeldet. Niemand aber weiß Bescheid und der Reiseleiter hatte sich - wie täglich - schon in Mezzocorona verabschiedet. Er ist auch telefonisch nicht mehr erreichbar. Das Personal unseres Hotels kann dann aber klären, dass wir in einem anderen Hotel zum Dinner vorgesehen sind. Bis das alles klar wird, gibt es durch erboste Mitreisende ganz hässliche Szenen. Mit „trendtours" zu reisen, kann recht abenteuerlich sein! Die letzte Nacht ist wieder von Hundegebell gestört. Ich suche meine „Ohropax" heraus und schlafe prima. Morgens fährt uns der Bus zurück nach Germanien und ich lese wieder aus meinen Gedichten vor. Paul Uhl, 24.07.07 |
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| Last Updated ( Montag, 13 August 2007 ) |
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